Hermann

DIwhY – oder warum eigentlich?

„Warum?“ Das ist die Frage, die meine gesamte Kindheit bestimmt hat. Noch heute fragt sich meine Familie, weshalb „Warum“ mein Lieblingswort war und immer noch ist. Was mich wiederum wundert. Schließlich waren sie es, die dafür gesorgt haben. Mein Vater mit seiner Begeisterung für Technik und alte Autos. Die erste Kamera meines Lebens habe ich in seinem Kleiderschrank gefunden. Das war der Anfang meines Weges zum Fotografen.

Warum fotografiere ich so gerne analog? Was begeistert mich so sehr an genau diesem Handwerk? Was begeistert mich generell und ganz allgemein am Handwerk? Warum liebe ich es, zu werken, schrauben und tüfteln …? Und warum faszinieren mich echte Macher? Dem möchte ich auf den Grund gehen und besuche mit meiner Kamera  – eine Leica M6 – Menschen, die für etwas brennen. Die eine Leidenschaft für das Machen haben!

Es gibt kleine und große Projekte, teure und günstige. Eins aber haben sie alle gemein: sie alle wollen angefangen werden. Hermann Kreutz vom Yachtclub Lister hat sich schon mehrmals den Traum von einer eigenen Segelyacht erfüllt. Nicht einfach nur gekauft und auf den See gebracht. Nein, ein schönes altes Boot muss es sein.

Eines mit Geschichte und eines, das er mit seinen eigenen Händen aufbereitet und wieder flott macht. Und auch dieses Mal bedeutet das eine Menge Arbeit. In Hermanns Besitz war auch schon die Kathena, das Schiff, mit dem der Segler Wilfried Erdmann als erster Deutscher einhand um die Welt segelte. Ich habe Hermann besucht, um mit ihm über seine Leidenschaft zu sprechen und natürlich ein paar Fotos zu schießen – analog selbstverständlich!

Da steht sie

Wie es gefühlt bei jeder Schrauberhalle so ist, treffen wir uns in einem unscheinbaren Hinterhof. Hermann öffnet das Tor – und dann steht sie da, die Dicke Berta. Über 40 Jahre alt ist die Biga26 Sport aus dem Jahr 1979. Auf der Bigge wurde sie schon einmal unter einem anderen Besitzer gesegelt.
Es ist ein Schiff mit Klasse, edel und ein wahrer Traum, das Deck komplett aus Teak. 15 Jahre lang lag sie dann in einer Scheune, bevor Hermann sie kaufte. Ehrlich gesagt dachte ich, dass man zur Restaurierung eines Bootes mehr Platz benötigt. Die Halle ist hoch, aber nicht sonderlich groß. Und irgendwie gemütlich. Eine urige Werkbank mit allerlei Werkzeug, Lacken und Pinseln, Bootsteilen an den Wänden, in Regalen – eigentlich überall.

Das muss Liebe sein

„Komm, wir gehen mal rauf“, schickt mich Hermann die Gerüstleiter hoch. Oben begrüßt mich der wunderschöne Holzboden. Komplett geschliffen und fast fertig generalüberholt. Genauso wie der gesamte Rumpf. Überhaupt hat Hermann die Dicke Berta gründlich überholt. Hat geklebt, gespachtelt, poliert, geleimt, lackiert, sämtliche Schrauben geprüft, neue Klampen gelegt, Ventile gewechselt.

Pfusch

Wir gehen in das Innere der Yacht. Mit Bett, Kochnische und auch einem kleinen Waschraum. Hermann setzt sich an den Tisch – gefühlt ist die Yacht in dieser Sekunde fertig restauriert und Hermann bietet mir gleich einen Kaffee an. Er erzählt, an welchen Stellen ein wenig gepfuscht wurde, es noch hapert – und was er alles noch ändern möchte. Bald schon wird Hermann viel Zeit mit der Dicken Berta auf der Bigge verbringen. Ist das der Antrieb, der ihn zu diesem Projekt gebracht hat? „Bei jeder Sache, die du in die Hand nimmst, denkst du daran, dass das Boot bald ins Wasser kommt und du große Freude hast“, sagt Hermann.

Alter Hase

Aus dem Yachtclub Lister ist Hermann nicht wegzudenken. Seit ewigen Zeiten schon gehört er dazu, kennt die Bigge wie seine Westentasche, jeden Wind, jedes Ufer, jede Bucht. Geht es um ein Problem, kann er immer helfen. Tauchen gehört ebenso zu seinen Hobbys. Nicht nur in angesagten Tauchgebieten aller Herren Länder. Hermann taucht auch nach verlorenen Dingen im See oder um unter Wasser kleine Dinge instand zu setzen. Und er spielt Saxophon, Gitarre und Mundharmonika.  Hermann ist Seebär, Wasserratte, Musiker, Freund und Kamerad. Ein Mensch, so wie ein Verein einen Menschen braucht!

Freunde

Das Boot restaurieren, jede Winsch und jeden Beschlag aufpolieren, Flächen schleifen und lackieren, ist für echte Macher eine schöne Winterbeschäftigung. Zeit, die Hermann genießt. Er, einst Maurer, dann Bauunternehmer, ist keiner, der herumsitzt. Er ist einer, der Projekte braucht und Projekte sucht. Und die Dicke Berta ist nachweislich nicht sein einziges Projekt in dieser Zeit gewesen. Genießen kann er nach dem Winter den Sommer umso mehr. Auf der Bigge, seinem festen Urlaubsrevier, seiner Oase. Mit seiner Familie – seiner Frau, seinen drei Kindern und acht Enkeln – und Freunden auf seinem Boot.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Hermann ist glücklich und dankbar, dass die Dicke Berta nun wieder auf den See kommt. In ihrer alten Klasse. Mit viel Segelgeschichte in ihrem Kielwasser. Mit Sicherheit wartet aber schon das nächste Projekt auf Hermann.
Bisher weiß er vielleicht noch gar nichts davon.

Björn Bernhardt

Veröffentlicht im Heimatliebe Biggesee Magazin 01-2021

Text: Birgit Engel, Björn Bernhardt

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